Am Hof ist ein großzügiger Platz im Herzen Wiens. Er liegt mitten im ersten Bezirk und verbindet die Einkaufsstraßen Graben und Kohlmarkt mit der eleganten Bognergasse. Die weite Freifläche war einst Teil des herzoglichen Wohnsitzes und entwickelte sich später zu einem zentralen Marktplatz. Heute ist Am Hof ein Ort, an dem Geschichte, Architektur und lebendiges Stadtleben zusammentreffen.
Am Hof ist einer der ältesten Plätze Wiens. Bereits in der frühen Geschichte lag hier ein römisches Lager; im Mittelalter wählte der Babenberger Herzog Heinrich II. diese Stelle als Residenz. Nachdem der Hof umgesiedelt war, entwickelte sich der Platz zum Markt, sodass die heutigen Weihnachts- und Ostermärkte an eine jahrhundertealte Tradition anknüpfen. Das Areal ist bis heute verkehrsberuhigt und leicht über die U-Bahn-Station Herrengasse oder über die Buslinien 1A und 3A erreichbar.
Im Zentrum des Platzes steht eine barocke Mariensäule. Sie erinnert an die Zeit, als ein schwedisches Heer durch Niederösterreich zog. Kaiser Ferdinand versprach damals, im Falle einer rettenden Intervention eine Säule zu errichten. Nach dem Abzug der Truppen ließ er eine Marmorsäule errichten, die später durch eine Bronzeversion ersetzt wurde. Oben steht Maria über einem Drachen, während an der Basis Putti weitere Tiere – Symbole für Ketzerei, Krieg und Hunger – mit Speeren niederstrecken. Die Säule ist bis heute ein beliebtes Motiv und Mittelpunkt der Advents- und Ostermärkte.
Am Hof 1 dominiert die barocke Fassade der Kirche am Hof, deren Vorhalle wegen ihrer kaiserlichen Terrasse bekannt ist. Die heutige Front entstand im 17. Jahrhundert, der Innenraum ist eine gotische Hallenkirche. Ihr Balkon diente bereits für päpstliche Ansprachen und als Filmkulisse. Gleich daneben steht das Palais Collalto, ein barockes Stadthaus mit einer Fassade aus dem frühen 18. Jahrhundert. Hier gab ein sechsjähriger Wolfgang Amadeus Mozart sein erstes öffentliches Konzert in Wien.
Die Gebäude mit den Hausnummern 9 und 10 bilden die Zentrale der Wiener Berufsfeuerwehr. Schon seit dem 17. Jahrhundert nutzt die Feuerwehr diese Adresse. Der ältere Teil, das Bürgerliche Zeughaus, erinnert an seine frühere Funktion als städtisches Waffenlager. Seine reich geschmückte Fassade stammt aus den frühen 1730er Jahren, und oben tragen zwei Figuren eine goldene Kugel, die Stärke und Beharrlichkeit symbolisiert. Im angrenzenden Feuerwehrmuseum können Besucher die Geschichte des Brandschutzes verfolgen und historische Löschfahrzeuge ansehen; das Museum ist sonntags und an Feiertagen vormittags geöffnet und barrierefrei zugänglich.
Am Hof 7 steht das Merkleinsche Haus, errichtet um 1730 von Johann Lukas Hildebrandt. Heute ist es Teil der Feuerwehrzentrale; seine barocke Fassade wurde für die Ausfahrten der Löschfahrzeuge angepasst. Zwischen den Feuerwehrgebäuden schmiegt sich das sogenannte „Schmale Haus“ mit der Nummer 8 ein. Dieses Renaissancegebäude ist ungewöhnlich schmal und trägt die Aufschrift „Johann Kattus“, benannt nach einem Delikatesshändler, der hier im 19. Jahrhundert einen Laden betrieb.
An der Nordseite des Platzes steht der Ledererhof. Der heutige Bau von 1883 beherbergt Büros und eine Versicherungsgesellschaft; eine goldene Kugel erinnert daran, dass während der Belagerung Wiens ein Geschoss in der Fassade stecken blieb und aus Dankbarkeit vergoldet wurde. Die weißen barocken Häuser an der Ecke zur Judengasse markieren den Übergang zum jüdischen Viertel und führen zum Judenplatz mit dem Holocaust-Denkmal.
Das luxuriöse Park Hyatt Vienna am Hof 2 ist in einem ehemaligen Bankgebäude untergebracht. Die Einrichtung bewahrt das imperiale Ambiente mit Marmorböden, Messing und Holzvertäfelungen. Gäste können in der Bank Brasserie & Bar in einem ehemaligen Kassenraum speisen oder im Spa entspannen, das sich in einem ehemaligen Tresorraum befindet. Die Lage ist ideal: Das Hotel blickt auf Am Hof und bietet Zugang zu den exklusiven Boutiquen des „Goldenen Quartiers“. Zudem findet im Hotel jährlich die Kunstmesse „Art at the Park“ statt; sie zeigt Werke renommierter Künstler und widmet sich auch zeitgenössischer österreichischer Kunst.
Am Hof hat eine lange Markttradition. Neben dem wöchentlichen Antiquitäten- und Bauernmarkt findet im Advent ein großer Kunsthandwerks- und Weihnachtsmarkt statt, bei dem lokale Handwerker und Kunstschaffende ihre Werke anbieten. Ein separater Bereich des Marktes besteht aus kleinen Läden, in denen Besucher in Ruhe stöbern können. Für Feinschmecker gibt es ein breites Angebot an regionalen Spezialitäten wie Langos, gerösteten Nüssen oder Baumkuchen und sogar eine Champagnerbar. Auch ein Oster- und ein Kunstmarkt bereichern das Jahresprogramm.
Tipps für den Besuch
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