Unter der Kapuzinerkirche im Herzen Wiens liegt die kaiserliche Familiengruft der Habsburger. Mehr als 150 Mitglieder des Hauses, darunter zwölf Kaiserinnen und Kaiser sowie neunzehn Kaiserinnen und Königinnen, ruhen hier in metallenen Sarkophagen. Die Gruft ist heute Teil eines Museumsbetriebs mit gut beleuchteten, kühlen Räumen, in denen prunkvolle und schlichte Särge nebeneinanderstehen. Eine Besichtigung ist das ganze Jahr über möglich; Besucher erfahren viel über die Dynastie und besichtigen gleichzeitig die barocke Kapuzinerkirche.
Die Kaisergruft – oft auch Kapuzinergruft genannt – befindet sich unter dem Kapuzinerkloster am Neuer Markt. Empress Anna von Tirol stiftete das Kloster und gab den Bau der Gruft in Auftrag; nach elfjähriger Bauzeit wurden ihre und ihres Gemahls Matthias’ Särge hierher überführt. Die Gruft wurde im Laufe der Jahrhunderte achtmal erweitert und umfasst heute neun Räume und eine Kapelle. Im Laufe dieser Erweiterungen fanden nicht nur zwölf Kaiserinnen und Kaiser und neunzehn Kaiserinnen und Königinnen ihre letzte Ruhestätte, sondern auch zahlreiche Erzherzöge, Kinder sowie einige wenige nicht‑habsburgische Persönlichkeiten. In der Gruft werden darüber hinaus vier Herzurnen verwahrt, denn die Habsburger trennten traditionell Herz, Eingeweide und Körper. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gruft nur noch selten genutzt; die jüngste Bestattung war 2023 Yolande de Ligne, Ehefrau von Carl Ludwig.
Die Atmosphäre in den unterirdischen Räumen ist überraschend hell und luftig – breite Gänge, kühle Luft und schlicht verputzte Wände stehen im Kontrast zu den teilweise reich verzierten Metallsärgen. Die Führungen beginnen bei der Leopoldgruft und führen durch mehrere Gewölbe bis zur Gruftkapelle. Über den Lift und wenige Treppen erreichen Sie die einzelnen Bereiche; nur an zwei Stellen müssen je zwei Stufen überwunden werden. Insgesamt sind über 150 Personen bestattet, sodass sich Besucher auf ein dichtes Nebeneinander von schlichtem Metall und barocker Pracht einstellen können.
Ein Höhepunkt ist die Maria‑Theresien‑Gruft. Der imposante Doppelsarg aus Zinn zeigt Maria Theresia und ihren Gemahl Franz I. Stephan mit Krone und Schmuckkissen. Rundherum ruhen viele ihrer 16 Kinder, darunter Joseph II, dessen einfacher Kupfersarg als bewusster Kontrast zur prunkvollen Tumba seiner Eltern gilt. Ebenfalls beeindruckend ist die Karlsgruft mit dem Sarkophag von Kaiser Karl VI; sein Sarg ist mit gekrönten Totenschädeln und barocken Ornamenten verziert. Die Franz‑Josephs‑Gruft beherbergt die Särge von Kaiser Franz Joseph I, seiner Frau Elisabeth und Kronprinz Rudolf; auf Blumen und kleine Gaben trifft man hier häufig.
In der Neubaugruft und der sogenannten Toskanagruft finden sich weitere Herrscher wie Franz II/I, der das österreichische Kaiserreich begründete, und Ferdinand I, der wegen Krankheit abdankte. Besonders bemerkenswert ist das Grab des Erzherzogs Maximilian, der von Frankreich unterstützt den Thron Mexikos annahm; er wollte ein moderner Monarch sein, fiel jedoch aufgrund seiner liberalen Politik schnell in Ungnade und wurde schließlich hingerichtet. Die Gruftkapelle enthält die Särge der letzten kaiserlichen Familie: Kaiserin Zita, ihr Sohn Otto Habsburg und dessen Frau Regina.
Maria Theresia & Franz I. Stephan: Die einzige regierende Habsburgerin prägte mit umfassenden Reformen und einer klugen Heiratspolitik die Monarchie. Ihr monumentaler Doppelsarg mit Franz I. Stephan ist das Zentrum der Maria‑Theresien‑Gruft.
Franz Joseph I.: Einer der am längsten amtierenden Monarchen der habsburgischen Geschichte; während seiner Regierungszeit entstanden viele Wiener Prachtbauten und die Ringstraße. Sein Grab befindet sich gemeinsam mit denen von Elisabeth und Rudolf in der Franz‑Josephs‑Gruft.
Elisabeth „Sisi“: Die bayerische Prinzessin wurde mit 16 Jahren Kaiserin, galt als Sportskanone, Modeikone und Dichterin und liebte Reisen. Ihr tragischer Tod durch ein Attentat wurde zur Legende.
Kronprinz Rudolf: Ein liberaler Denker und Naturfreund. Sein früher Tod löste eine Kette von Ereignissen aus, die letztlich zum Thronwechsel führten.
Kaiser Karl VI: Vater Maria Theresias und Bauherr barocker Projekte; sein kunstvoller Sarkophag mit gekrönten Totenschädeln zieht viele Blicke auf sich.
Kaiser Joseph II: Als Mitregent seiner Mutter setzte er zahlreiche aufgeklärte Reformen um; seine bescheidene Kupfertumba spiegelt seine Abneigung gegen Pomp wider.
Franz II/I: Der letzte römisch‑deutsche Kaiser wandelte die Monarchie zum österreichischen Kaiserreich; sein Sarkophag steht in der neuen Gruft.
Maximilian von Mexiko: Österreichischer Erzherzog, von Napoleon III. und mexikanischen Konservativen als Kaiser nach Mexiko berufen; er versuchte soziale Reformen, verlor aber rasch die Unterstützung und wurde nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs hingerichtet.
Zita & Otto Habsburg: Zita war die letzte Kaiserin Österreichs und lebte Jahrzehnte im Exil; ihr Sohn Otto engagierte sich nach dem Ende der Monarchie als überzeugter Europäer und Politiker. Beide liegen mit Otto’s Frau Regina in der Gruftkapelle.
Yolande de Ligne: Die Witwe von Carl Ludwig war 2023 die letzte Person, die in der Gruft beigesetzt wurde.
Der Besuch der kaiserlichen Gruft kann individuell oder im Rahmen einer Führung erfolgen. Die Gruft ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schließung.
Der Rundgang dauert rund 30 bis 60 Minuten. Die meisten Bereiche sind dank Lift gut erreichbar; in einigen Räumen müssen jedoch zwei Stufen überwunden werden. Schließfächer stehen für Taschen und Koffer bereit, Kinderwagen dürfen mitgenommen werden. Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt, jedoch sind Stative und Selfie‑Sticks untersagt. Haustiere dürfen nicht mit in die Gruft, ausgenommen zertifizierte Assistenzhunde.
Über der Gruft erhebt sich die Kapuzinerkirche – ein einfacher, aber stimmungsvoller Sakralbau aus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Kirche ist Teil eines aktiven Klosters; die Kapuzinermönche betreuen die Gruft und leisten seit Jahrhunderten seelsorgerische Arbeit. Der rechteckige Kirchenraum mit seiner weißen Gewölbedecke und den barocken Altären wirkt licht und klar. Besonders sehenswert ist der Hauptaltar mit intarsiertem Holz und einer Darstellung der Portiuncula‑Vision, ebenso wie die Pietàkapelle mit barocker Skulptur. Unter einer Glasplatte im Boden ruht der Kapuzinerbruder Marco d’Aviano, ein seliger Ordensmann.
Neben dem stillen Gotteshaus sorgt das Wiener Kaiserquartett für musikalische Akzente: In der Kirche finden regelmäßig abendliche Konzerte mit klassischer Musik von Mozart, Haydn oder Schubert statt. Viele Besucher kombinieren den Gruftbesuch mit einem Konzert und erleben so das Zusammenspiel von Geschichte und Musik. Der Eintritt in die Kirche ist frei, Konzertkarten sind separat erhältlich.
Die kaiserliche Gruft liegt zentral am Neuer Markt, wenige Gehminuten vom Stephansdom entfernt. Mit der U-Bahn erreichen Sie den Platz über die Linien U1 oder U3 bis zum Stephansplatz sowie über die Linie U1 bis Karlsplatz. Von den Bahnhöfen Westbahnhof und Hauptbahnhof bestehen direkte Verbindungen. Der Platz Neuer Markt ist Fußgängerzone; wer mit dem Auto anreist, findet Parkgaragen in der Umgebung. Die Lage im Stadtzentrum macht den Besuch ideal, um ihn mit einem Spaziergang durch die Kärntner Straße oder einem Kaffeehausbesuch zu verbinden.
| Tag | Öffnungszeiten |
|---|---|
| Montag | 10:00 – 18:00 |
| Dienstag | 10:00 – 18:00 |
| Mittwoch | 10:00 – 18:00 |
| Donnerstag | 10:00 – 18:00 |
| Freitag | 10:00 – 18:00 |
| Samstag | 10:00 – 18:00 |
| Sonntag | 10:00 – 18:00 |
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