Der Narrenturm ist eines der ungewöhnlichsten Museen Wiens. Das denkmalgeschützte Rundgebäude auf dem Gelände des Alten AKH wurde im 18. Jahrhundert als erste psychiatrische Anstalt Europas errichtet und beherbergt heute die pathologisch-anatomische Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien.
Der Besuch ist nichts für schwache Nerven: In der Ausstellung werden unter anderem menschliche Überreste gezeigt. Aus Respekt gegenüber den Verstorbenen ist das Fotografieren strengstens verboten und wird über Kameras kontrolliert. Die hier verwendeten Fotos wurden uns freundlicherweise vom NHM zur Verfügung gestellt.
Der Narrenturm wurde 1784 unter Kaiser Joseph II. errichtet – als erste Anstalt Europas, die ausschließlich der medizinischen Versorgung psychisch kranker Menschen diente. Der Name „Narrenturm“ stammt aus dieser ursprünglichen Nutzung und hat sich im Wiener Sprachgebrauch bis heute gehalten, obwohl das Gebäude längst keine Anstalt mehr ist. Geplant wurde der markante Rundbau vom Architekten Josef Gerl. Finanziert wurde er persönlich vom Kaiser – als Ausdruck der josephinischen Reformen im Gesundheitswesen. Heute steht der Turm unter Denkmalschutz und befindet sich im Besitz der Universität Wien.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude für die ursprünglich vorgesehene Nutzung als ungeeignet angesehen. Ab 1866 wurde es anderweitig verwendet – etwa als Lagerraum, Werkstätte und später auch als Wohnstätte für Bedienstete des Allgemeinen Krankenhauses. Erst 1971 zog das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum in den Turm ein, das 2012 als pathologisch-anatomische Sammlung in das Naturhistorische Museum Wien eingegliedert wurde.
Die Sammlung – medizinisch, historisch und emotional
Heute präsentiert sich die Sammlung im generalsanierten Erdgeschoss des Narrenturms. 19 thematisch strukturierte Räume geben Einblick in die Geschichte der Medizin und der Krankheitslehre. Die Schausammlung zeigt über 50.000 Objekte – darunter Feuchtpräparate, Skelette, Wachsmodelle, Lehrbücher und historische Instrumente. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie nicht nur medizinisches Fachpublikum, sondern auch interessierte Laien und Schulklassen anspricht.
Besonders beeindruckend ist die Aufbereitung der Sammlung in den ehemaligen Zellen des Turms. Die Themen reichen von allgemeinen Krankheitsprozessen wie Infektionen oder Tumoren bis hin zur speziellen Organpathologie. Ergänzt wird die Präsentation durch eine Augmented-Reality-Station, Wandgrafiken und interaktive Elemente.
Die Exponate sind zum Teil über 200 Jahre alt und wurden unter strenger Einhaltung internationaler Richtlinien zur Präsentation von Humanpräparaten aufbereitet. Die Darstellung bleibt bewusst sachlich und verzichtet auf jede Form der Effekthascherei.
Ein zentrales Thema beim Besuch des Narrenturms ist der respektvolle Umgang mit den ausgestellten menschlichen Präparaten. Deshalb ist das Fotografieren und Filmen strikt untersagt. Dieses Verbot wird vor Ort regelmäßig per Lautsprecherdurchsage kommuniziert und durch ein Kamerasystem kontrolliert. Die in diesem Beitrag gezeigten Fotos wurden mit ausdrücklicher Genehmigung vom Naturhistorischen Museums Wien zur Verfügung gestellt.
Der Narrenturm ist ein Bauwerk mit starker Präsenz: Der massive Rundbau mit fünf Stockwerken, 28 Zellen pro Etage und einer zentralen Mittelachse („Sehne“) vermittelt bis heute die ursprüngliche Nutzung. Die äußere Erscheinung wurde im Zuge der Sanierung dem Originalzustand angenähert – inklusive Rückbau späterer Umbauten.
Neben der Dauerausstellung gibt es regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Auch ein kleiner Museumsshop ist im Erdgeschoss untergebracht. Zudem können bestimmte Bereiche des Gebäudes für Veranstaltungen angemietet werden.
Ein interessantes Detail am Rande: Am Narrenturm wurde ein Projekt zur urbanen Biodiversität umgesetzt. Ziel ist es, geschützten Tierarten wie Fledermäusen oder Turmfalken im städtischen Raum neue Lebensräume zu bieten. Dazu wurden Nistkästen am Gebäude angebracht – in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, der Universität Wien und der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22). Gefördert wird das Projekt vom Biodiversitätsfonds der Europäischen Union (NextGenerationEU).
| Tag | Öffnungszeiten |
|---|---|
| Mittwoch | 10:00 – 17:00 |
| Donnerstag | 10:00 – 17:00 |
| Freitag | 10:00 – 17:00 |
| Samstag | 10:00 – 17:00 |
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