Die Timmelsjoch Hochalpenstraße führt als Grenzpass zwischen dem österreichischen Ötztal und dem Südtiroler Passeiertal. Auf rund 34 Kilometern schlängelt sich die mautpflichtige Hochalpenstraße vom Top Mountain Crosspoint in Hochgurgl hinauf zur Passhöhe und hinunter ins Passeiertal. Mit ihren zahlreichen Kurven, spektakulären Aussichtsstellen und sechs frei zugänglichen Erlebnisstationen gilt sie als eine der schönsten Verbindungen durch die Ötztaler Alpen. Die Straße ist nur im Sommer geöffnet, denn erst nach der aufwändigen Schneeräumung im Frühjahr wird sie vom Schnee befreit .
Die Route über das Timmelsjoch gilt als eine der höchsten und spektakulärsten Alpenstraßen. Bereits vor Jahrtausenden nutzten Hirten und Händler den Pass als kürzeste Verbindung zwischen der heutigen Schweiz und Italien. Archäologische Funde wie eine Fibula aus der La‑Tène‑Zeit belegen den prähistorischen Passverkehr. Im Mittelalter trugen die Ötztaler Kraxenträger Waren wie Flachs, Speck und Vieh über den Jochübergang und brachten im Gegenzug Wein und Essig aus dem Süden zurück.
Während des 20. Jahrhunderts reiften Pläne zum Bau einer modernen Straße. Einheimische Tourismuspioniere setzten sich dafür ein, und in weniger als zwei Jahren wurde die Straße trotz extremer Geländeverhältnisse von Mannschaften und Maschinen in die Berge getrieben. Ursprünglich endete die Straße am Pass, erst einige Jahre später wurde sie zur Passstraße nach Südtirol erweitert. Dass der Bau gelingen konnte, lag auch an den ambitionierten Arbeitern, die oft bei winterlichem Wetter mit Pickeln, Schaufeln und Pistenraupen kämpften.
Die Mautstraße bietet auf ihrer 34 km langen Strecke ein intensives Naturerlebnis. In Hochgurgl beginnt die Auffahrt im Bereich des Top Mountain Crosspoint auf rund 2 175 m Höhe. Von dort führt die Trasse über 60 Kurven durch mehrere Vegetationszonen – von alpinen Wiesen über karge Hochlagen bis zu Lärchen‑ und Zirbenwäldern.
Beim Erreichen der Passhöhe öffnet sich ein weiter Blick über die vergletscherten Ötztaler Alpen, bevor die Straße mit ihren spektakulären Kehren in das Passeiertal hinunterführt. Die Strecke weist 44 enge Kehren auf und steigt mit einer durchschnittlichen Steigung von rund 12 %.
Obwohl der Asphalt breit genug für zwei Fahrspuren ist, verlangt die kurvenreiche Linienführung Aufmerksamkeit und Erfahrung, insbesondere für Wohnmobile und Busse.
Die Hochalpenstraße ist nur in der schneefreien Jahreszeit geöffnet. Im Frühjahr müssen zwei Schneefräsen Schneemengen von bis zu zehn Metern beseitigen; diese Räumarbeiten dauern meist sechs bis acht Wochen. Aus diesem Grund öffnet der Pass erst im späten Frühjahr und schließt in der Regel Ende Oktober. Wegen der exponierten Lage ist das Wetter im Hochsommer oft wechselhaft; warme Kleidung und ein waches Auge für die Bedingungen sind daher empfehlenswert.
Entlang der Hochalpenstraße vermitteln sechs moderne Skulpturen Einblicke in Natur, Kultur und Geschichte. Alle Stationen sind kostenlos zugänglich und mit kurzen Fußwegen erreichbar.
Direkt beim Mauthaus in Hochgurgl wurde ein Plattform‑Steg errichtet. Er bietet nicht nur einen 360°‑Blick auf die Ötztaler Bergwelt, sondern informiert auch über den Obergurgler Zirbenwald, die Rolle der Gletscher als Landschaftsarchitekten und die Besiedlungsgeschichte des Hochgebirges.
Etwas weiter oben, an der Stelle, wo die Hochalpenstraße einen alten Saumpfad kreuzt, steht ein begehbarer Würfel. Diese Station widmet sich der Schmuggelgeschichte, denn in früheren Zeiten überquerten Kraxenträger die Berge mit verbotenen Waren. Informationstafeln erzählen von der jahrhundertealten Tradition des Schmuggels, von Angst und Mut in den Bergen sowie vom Leben der Kraxenträger.
Bei der Station „Transit“ wurde eine ehemalige Militärbaracke aus den 1930er‑Jahren zu einem kleinen Museum umgebaut. Fotos, Filmaufnahmen und Zeitzeugenberichte zeigen die Mühen der Straßenbauer und erinnern an die Errichtung der Hochalpenstraße sowie an ein militärisches Straßenprojekt aus der Zeit des italienischen Faschismus.
Am Nordabfall des Passes ragt ein futuristisches, einem erratischen Block nachempfundenes Gebäude in die Landschaft. Innen erinnert eine Eiskammer an die Pioniere und erklärt die Entstehung des Namens Timmelsjoch. Außerdem werden Fundstücke wie eine vorgeschichtliche Brosche gezeigt.
Unterhalb des Scheibkopfs bietet die Station Telescope eine große Panoramaterrasse. Ein drehbarer „Teleskopaufsatz“ richtet den Blick auf markante Gipfel wie den Granatkogel (3 304 m) und den Hohen First (3 403 m) sowie auf die Geologie der Texelgruppe. Ein kleines Museum informiert über den Gesteinsaufbau und den Passeirer Bergziegen‑Mythos.
Am felsigen Hang oberhalb von Moos sind zwei begehbare Granat‑Skulpturen angebracht, die die geologischen Formen des Passeiertals nachempfinden. Sie dienen als Aussichtsplattformen und thematisieren den höchsten Wasserfall Südtirols, das Dorf mit der europaweit höchsten Kinderzahl und das traditionsreiche Heuschießen. Von hier öffnet sich ein weiter Blick über den oberen Passeirer Talboden.
Die Hochalpenstraße ist nicht nur für Autofahrer interessant. Parallel zur Straße verläuft der Kraxenträger‑Weg, der Teil des Fernwanderwegs E5 ist. Er führt in drei Stunden von Zwieselstein über den Timmelstalgraben zur Passhöhe und dann weiter hinunter nach Rabenstein und Moos im Passeier. Die Rundtour über den Kummersee im Passeiertal dauert weitere drei bis vier Stunden und ist reich an Informationstafeln zur regionalen Natur und Geschichte.
Rennradfahrer schätzen die Passstraße als Herausforderung, denn der Südaufstieg weist einen Höhenunterschied von fast 1 800 Metern auf und erfordert eine kräfteschonende Fahrtechnik. Aufgrund der exponierten Lage und der hohen Steigung sollten Räder mit funktionstüchtiger Beleuchtung ausgestattet sein, und wer die Strecke mit dem E‑Bike befahren möchte, sollte vorher den Akkustand kontrollieren.
Die Timmelsjoch Hochalpenstraße vereint spektakuläre Landschaft, spannende Geschichte und moderne Architektur in einer Tagestour. Ob als kurvenreiche Fahrt mit dem Motorrad oder als Ausflug mit Zwischenstopps bei den Erlebnisstationen – die „Geheime Pforte zum Süden“ lässt alpine Kultur und Natur hautnah erleben.
| Tag | Öffnungszeiten |
|---|---|
| Montag | 07:00 – 20:00 |
| Dienstag | 07:00 – 20:00 |
| Mittwoch | 07:00 – 20:00 |
| Donnerstag | 07:00 – 20:00 |
| Freitag | 07:00 – 20:00 |
| Samstag | 07:00 – 20:00 |
| Sonntag | 07:00 – 20:00 |
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