Lünersee – Abenteuerliche Rundwanderung über Totalphütte, Gamsluggen und Cavelljoch (Gafalljoch)
Kurzinfo und Hard Facts zur Tour:
Der Lünersee ist ein türkisblauer Stausee am Ende des Brandnertals und liegt auf 1 970 m Seehöhe. Er ist einer der größten Bergseen Vorarlbergs; seit dem Bau der Staumauer 1959 umfasst er eine Fläche von rund 112 Hektar und ist bis zu 139 m tief. Die Douglasshütte direkt an der Bergstation der Lünerseebahn steht auf 1 976 m und ist Ausgangspunkt der Tour. Die Totalphütte am Fuß der Schesaplana liegt auf 2 385 m, die Passhöhe Gamsluggen erreicht etwa 2 383 m.
Tourendetails:
- Start/Ziel: Bergstation der Lünerseebahn bzw. Douglasshütte.
- Tourenart: Rundtour über Totalphütte – Gamsluggen – Cavelljoch (Gafalljoch) – Lünerseealpe.
- Strecke: Rund 11 km, je nach GPS leicht abweichend. Die Strecke beinhaltet viele exponierte Passagen.
- Höhenmeter: Etwa 700 m im Auf- und Abstieg, wenn du von der Douglasshütte über den Gamsluggen und zurück wanderst.
- Höchster Punkt: Gamsluggen auf ungefähr 2 383 m Seehöhe.
- Dauer: Gesamt etwa 6–7 Stunden, inklusive Pausen; reine Gehzeit beträgt ungefähr 4½ Stunden.
- Schwierigkeit: Anspruchsvoll, da alpine Steige (weiß‑blau‑weiß markiert) mit seilversicherten Passagen durchwandert werden.
- Ausrüstung: Knöchelhohe Bergschuhe, ausreichend Getränke, Sonnen‑ und Regenschutz sowie Wanderstöcke sind empfohlen. Vor seilversicherten Passagen solltest du die Stöcke verstauen, um freie Hände zu haben.
- Beste Jahreszeit: Die Tour ist am angenehmsten von Juni bis Oktober; zu Saisonbeginn muss man mit Schneefeldern rechnen.
Anreise
Mit dem Auto oder dem Landbus L580 erreicht man die Talstation der Lünerseebahn am Ende des Brandnertals. Die Pendelbahn überwindet in wenigen Minuten rund 390 Höhenmeter (alternativ führt der steile „Böse‑Tritt‑Steig“ zu Fuß hinauf; Gehzeit 1 h 15 min, 390 hm). Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, kann von Bludenz mit dem Bus zur Talstation gelangen. Die Douglasshütte an der Bergstation ist bewirtschaftet und bietet Schlafplätze.
Lünersee: Anspruchsvolle Rundwanderung über Totalphütte, Gamsluggen und Cavelljoch (Gafalljoch)
Start an der Douglasshütte (1 976 m)
Unsere Tour beginnt früh; um 8:22 Uhr verlassen wir die Douglasshütte an der Bergstation. Der Lünersee liegt friedlich unter uns und leuchtet türkis, eingerahmt von den Kalkzacken des Rätikons. Über den breiten Uferweg wandern wir gegen den Uhrzeigersinn in Richtung Osten. Der Weg ist geschottert, relativ eben und bis zur Lünerseealpe (Hütte zum einkehren) kinderwagentauglich – ein Abschnitt, den auch die offizielle Seite als familienfreundlichen Rundweg von etwa 6 km und 2 Stunden reiner Gehzeit beschreibt. Bereits nach wenigen Minuten bietet sich ein erstes Highlight: der Blick zurück zur Douglasshütte und zur imposanten Staumauer, die den See um gut 72 m aufgestaut hat.
Abzweigung zur Totalphütte und schweißtreibender Aufstieg
Nach etwa 20 Minuten erreichen wir eine Weggabelung. Ein Schild weist den Weg rechts bergauf zur Totalphütte (ca. 1 h Aufstieg). Der folgende Abschnitt hat es in sich: Der schmale Serpentinenpfad ist steinig, karg und völlig schattenlos – deshalb empfiehlt sich ein früher Start.. Die Schlucht trägt den Namen „Totalp“, und je höher wir steigen, desto beeindruckender wird das Panorama: Der Lünersee glitzert tiefblau unter uns; doch die oft gepriesene Herzform des Sees zeigt sich hier noch nicht. Wanderstöcke leisten beim steilen Aufstieg gute Dienste.
Nach gut 1 Stunde erreichen wir die Totalphütte (2 385 m), die 2021 nach einem Lawinenunglück neu errichtet wurde. Sie liegt in einem kargen Hochkessel unterhalb der Schesaplana. Wer will, kann hier einkehren und sich mit regionalen Schmankerln wie der beliebten Topfenlasagne stärken – ab Juni bis Oktober ist die Hütte bewirtschaftet. Für uns bleibt es bei einer kurzen Trinkpause, denn das Herzstück der Tour steht noch bevor.
Alpine Passage über Gamsluggen mit Blick auf Lünersee Herzform
Hinter der Hütte folgen wir den weiß‑blau‑weiß markierten Wegweisern Richtung Gamsluggen. Der alpine Steig führt zunächst ein Stück bergab und quert dann kargen Felshang. Der offizielle Tourenbeschrieb warnt vor seilversicherten Stellen und betont, dass Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich sind. Nach etwa 5 Minuten gabelt sich der Pfad: Rechts zweigt ein Weg näher am See ab, von dem aus man die bekannte Herzform später gut sehen kann; links führt der alpine Steig über den Bergkamm zum Gamsluggen. Wir wählen den oberen Weg.
Der weitere Weg geht leicht bergab über Geröll und Fels. Etwa 15 Minuten, nachdem wir die Totalphütte verlassen haben, beginnt der Lünersee seine Herzform anzunehmen. Hier fängt die Wanderung an, sich richtig zu lohnen. Wir schießen ein Foto nach dem anderen und machen kurze Rasten, um einfach die Aussicht zu genießen. Nach 20 Minuten geht es wieder steinige Serpentinen nach oben.
Nach rund 30 Minuten und einigen Fotostopps erreichen wir den Gamsluggen (ca. 2 383 m). Hier wird das absolut schönste Panorama geboten: Von oben erscheint der Lünersee wie ein blaues Herz inmitten der grauen Bergwände – spätestens jetzt versteht man, warum der Lünersee 2019 sogar zum „schönsten Platz Österreichs“ gekürt wurde.
Am Gamsluggen trifft der Rätikon‑Höhenweg auf den Schweizer Grenzkamm. Hier muss man entscheiden: Wer nicht genug Bergerfahrung hat, sollte über den Aufstiegsweg zur Totalphütte bzw. zuvor erwähnten Abzweigung zurückkehren. Wir wählen die anspruchsvolle Variante über den Kamm zum Cavelljoch (Gafalljoch) (am Foto: rechts am Berg hinunter, unten im Tal entlang und am Ende wieder hoch und dann wieder zum See hinunter).
Über den Grat zum Cavelljoch (Gafalljoch) – nur für Geübte
Der Gratweg zum Cavelljoch (manchmal auch Gafalljoch genannt) ist der schwierigste Teil der Rundtour. Der Pfad führt am steilen Berghang entlang; lose Felsen, Schutt und kurze Kletterstellen verlangen volle Konzentration. Eine Stahlkette hilft über die heikelste Passage, doch ein Fehltritt hätte schwerwiegende Folgen. Der Abschnitt ist ungefähr 50 m lang; danach wird das Gelände wieder einfacher, führt aber immer noch über steile Serpentinen bergab. Wir sind jedenfalls froh, als wir unten ankommen.
Unten angekommen, verläuft der Höhenweg über eine weite, wiesenartige Hochfläche – eine willkommene Erholung nach der Kletterei. Hier kommen wir kurz in den Empfang des Schweizer Mobilfunknetzes – ein Hinweis, der uns eine teure Überraschung erspart hätte (wir bezahlen 60€ für 2 Nachrichten). Nach einiger Zeit taucht ein Wegweiser zum Cavelljoch auf. Um 12:11 Uhr, rund vier Stunden nach unserem Start, erreichen wir eine Kreuzung mit rot‑weiß‑rot markiertem Wanderweg zurück zur Douglasshütte, da man die Wanderung natürlich auch in die entgegengesetzte Richtung machen kann. Wir gehen jedoch weiter Richtung Cavelljoch (Gafalljoch) .
Kurz nach dem Grenzschild „Österreich“ geht es noch einmal bergauf; um 12:37 Uhr stehen wir am Cavelljoch (Gafalljoch) (ca. 2 239 m) und genießen die Aussicht ins Prättigau und zum Schweizer Rätikon. Der weitere Abstieg führt nun auf österreichischer Seite zurück Richtung Lünersee.
Abstieg zur Lünerseealpe und Rückweg auf dem Seerundweg
Der Abstieg ist steil und zieht sich über Schotterwege und Bergwiesen, bleibt aber technisch einfacher als der Gratweg. Um 13:15 Uhr erreichen wir wieder den Uferweg des Lünersees, wenige Minuten westlich der Lünerseealpe. Diese gemütliche Almhütte liegt auf rund 2 000 m Höhe und ist von Juli bis September geöffnet. Wir gönnen uns eine wohlverdiente Pause mit Vanille‑Buttermilch und regionalen Snacks.
Nach der Pause setzen wir unseren Weg gegen den Uhrzeigersinn am Westufer fort. Der restliche Seerundweg ist ein breiter, geschotterter Spazierweg – laut offizieller Beschreibung 6,1 km lang mit 103 hm Auf‑ und Abstieg. Er führt zunächst flach am Wasser entlang, dann geht es nochmal gut steil bergauf (nicht für Kinderwagen geeignet), später über die Staumauer zurück zur Douglasshütte. Wir starten um 15:00 Uhr an der Alpe und erreichen nach einer gemütlichen Stunde die Bergstation – gerade rechtzeitig für eine Talfahrt mit der Lünerseebahn.
Tipps und Hinweise
Kondition & Können: Die Rundtour über Totalphütte, Gamsluggen und Cavelljoch ist keine Spazierwanderung. Offizielle Portale stufen sie als schwere Tour ein, bei der Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung sind. Wer im alpinen Gelände wenig Erfahrung hat, wählt besser den mittelschweren Weg über die Totalphütte und kehrt über den Höhenweg oberhalb des Sees zurück (Variante ca. 9,1 km und 460 hm) oder bleibt beim einfachen Seerundweg (ca. 6 km, 110 hm).
Ausrüstung: Feste Bergschuhe, wetterfeste Kleidung, Sonnen‑ und Regenschutz sowie genügend Wasser sind Pflicht. Wanderstöcke unterstützen sehr, sollten aber vor den Kletterstellen verstaut werden. Bei schlechtem Wetter oder Restschneefeldern (besonders im Frühsommer) kann der Steig gefährlich werden.
Verpflegung: Douglasshütte, Lünerseealpe und Totalphütte bieten Einkehrmöglichkeiten. Bargeld ist empfehlenswert, da nicht überall Kartenzahlung möglich ist.
Mobilfunk: Entlang des Grates wechselt der Empfang plötzlich ins Schweizer Netz, was zu Roamingkosten führen kann. Flugmodus oder ein geeignetes Roamingpaket schützt vor bösen Überraschungen.
Zeitplanung: Plant Pausen zum Fotografieren ein – die Aussicht auf den herzförmigen Lünersee am Gamsluggen ist einzigartig. Achtet zudem auf die Betriebszeiten der Lünerseebahn (meist bis ca. 16:30 Uhr) und startet früh genug.
Fazit
Die Rundwanderung um den Lünersee über Totalphütte, Gamsluggen und Cavelljoch (Gafalljoch) kombiniert die Idylle eines türkisen Bergsees mit alpinem Abenteuer. Auf rund 11 km erlebt man gemütliche Uferwege, steile Serpentinen, luftige Grate und fantastische Ausblicke. Wer sich auf die Anforderungen vorbereitet, wird mit einem unvergesslichen Tag belohnt – und mit Fotos, die das Herz höher schlagen lassen.






















