Schneeschuhwanderung auf der Bielerhöhe zum Silvrettasee – ein Erfahrungsbericht aus der hochalpinen Winterwelt
Die Schneeschuhwanderung zum Silvrettasee führt in eine hochalpine Landschaft, die man ohne Führung kaum erreichen würde. Durch die Kombination aus Bergbahn, Tunnelbus und Schneeschuhen gelangt man rasch weit über die Baumgrenze, mitten hinein in die winterliche Silvretta. Die Tour ist gut organisiert, verlangt aber Kondition und Trittsicherheit – und genau das macht ihren Reiz aus.
Wichtige Fakten zur Tour:
- Hier findet ihr alle Termine und Preise.
- Treffpunkt: 09:45 Uhr bei der Talstation der Vermuntbahn
- Start der Schneeschuhwanderung: ca. 10:25 Uhr
- Höhenlage: über 2.000 Meter Seehöhe
- Reine Gehzeit: ca. 2,5 bis knapp 3 Stunden
- Gesamtdauer: rund 5,5 Stunden inkl. Bahn- und Busfahrten
- Höhenmeter: ca. 250
- Einkehr: Berggasthof Piz Buin
- Rückkehr ins Tal: ca. 15:30 Uhr
Treffpunkt und Ausrüstung
Treffpunkt ist um 09:45 Uhr bei der Talstation der Vermuntbahn in Partenen. Die Talstation ist nicht sofort als klassische Gondel-Talstation erkennbar, sondern ein auffälliges Glasgebäude, das eher an ein Gewächshaus erinnert. Am einfachsten ist es, die Talstation direkt in Google Maps (Vermuntbahnstraße 45, 6794 Partenen) einzugeben. Keine Sorge, wenn man die Gondel nicht sofort sieht – sie fährt nur etwa alle 20 Minuten.
Wer keine eigene Ausrüstung besitzt, bekommt Schneeschuhe (Schuhgröße bei der Anmeldung unbedingt angeben), Stöcke sowie die komplette Sicherheitsausrüstung zur Verfügung gestellt. Falls man die Wahl hat, lohnt es sich, die neueren Schneeschuhmodelle zu nehmen. Diese verfügen vorne über einen modernen Fixiermechanismus (mit Druckknopf), der den Schuh deutlich stabiler hält als ältere Modelle mit klassischen Schlaufen – besonders im Tiefschnee ein klarer Vorteil.
Auffahrt mit Bahn und Tunnelbus
Nach der Ausrüstungsausgabe geht es mit der Vermuntbahn nach oben. Wichtig: Das Ticket für die Berg- und Talfahrt ist nicht im Preis der Schneeschuhwanderung inkludiert und muss separat gelöst werden. Hier findest du die Ticketpreise.
Oben angekommen warten bereits kleine Busse mit 22 Sitzplätzen. Ab hier beginnt ein besonderer Abschnitt der Tour. Die Fahrt führt durch enge, in den Fels gesprengte Tunnel, die vor langer Zeit für den Bau der Hochgebirgsstauseen angelegt wurden. Nach etwa fünf Minuten passiert man den ersten Stausee, ohne dort anzuhalten. Danach geht es durch einen weiteren Tunnel direkt unter dem Stausee hindurch weiter bergauf. Nach insgesamt rund 10 bis 15 Minuten Busfahrt steigt die Gruppe an einer Kehre aus.
Start der Schneeschuhwanderung
Gegen 10:25 Uhr beginnt die eigentliche Schneeschuhwanderung. Die Gruppe besteht aus maximal 10 Teilnehmern. Die Route ist nicht immer identisch, da sie sich nach Wetter- und Schneelage richtet. Während es im Tal bereits sehr grün ist, liegt hier oben durchgehend Schnee. Die umliegenden Hänge sind vollständig winterlich, auch einige Langlaufloipen sind zu sehen.
Nach dem Anlegen der Schneeschuhe folgen die ersten Schritte im Tiefschnee. Ein hilfreicher Tipp aus der Praxis: Wer etwas größer oder schwerer ist, geht am besten weiter hinten in der Gruppe. Dort ist der Schnee bereits etwas verdichtet, wodurch man weniger tief einsinkt. Für leichtere Personen ist das Gehen entsprechend einfacher.
Unterwegs mit Guide Irena
Begleitet wird unsere Tour von Irena. Sie erklärt unterwegs nicht nur den Ablauf, sondern gibt immer wieder sehr konkrete Einblicke in die Umgebung. Von der Bielerhöhe aus zeigt sie, welche Berge zu sehen sind, benennt einzelne Gipfel und erklärt die geografische Lage. Noch befinden wir uns in Vorarlberg, blicken aber bereits hinüber nach Tirol – und weiter dahinter in Richtung Schweiz.
Besonders spannend sind ihre Erklärungen zur Tierwelt. An mehreren Stellen entdecken wir frische Spuren im Schnee, die Irena eindeutig zuordnen kann. Kurz darauf zeigt sich auch, warum: In den steilen Flanken beobachten wir mehrere Gämse. Dass sie in diesem Winter so gut sichtbar sind, liegt an den aktuell milden Bedingungen. In schneereichen Wintern müssen sie laut Irena mit ihren Hufen tief im Schnee graben, um an Futter zu gelangen – deutlich anstrengender als unter den Bedingungen dieses Winters.
Lawinenlage und Sicherheit
Während unserer Tour herrscht Lawinenwarnstufe 3. Irena erklärt sehr genau, warum die von uns begangene Route dennoch als sicher gilt. Die Hänge auf dieser Seite sind bereits ausgeräumt, sodass kein gefährlicher Nachschub von oben möglich ist. Trotzdem wird das Thema Sicherheit konsequent ernst genommen, alle Teilnehmer tragen ein LVS-Gerät.
Die Schneeschuhwanderung führt teilweise querfeldein durch Tiefschnee, stellenweise auch über Mulden und steilere Abschnitte. Die Tour kostet Kraft und erfordert Kondition, aber wird mit einer traumhaften Aussicht belohnt. An einer Stelle kommen wir an einer Schneeschichtmessung vorbei, bei der der Aufbau der Schneedecke gut sichtbar ist – ein interessanter Einblick in die Beurteilung der Lawinensituation.
Aussicht auf Piz Buin und Ochsentaler Gletscher
Von einem erhöhten Punkt aus eröffnet sich der Blick auf den Kleinen und den Großen Piz Buin. Direkt darunter liegt der Ochsentaler Gletscher, der sich gut erkennbar unterhalb der Gipfel erstreckt. Die hochalpine Landschaft, die Weite und die Ruhe machen diesen Abschnitt zu einem der eindrucksvollsten Momente der gesamten Tour.
LVS-Übung und unerwartete Suchaktion
Gegen Ende der Wanderung wird der Umgang mit dem LVS-Gerät praktisch geübt. Drei Teilnehmer stellen sich im Schnee auf, das Gerät auf “Senden” gestellt, und wir navigieren selbstständig zur “Fundstelle”. Die Übung zeigt sehr deutlich, wie wichtig Ruhe und Systematik im Ernstfall sind.
Kurz danach bemerkt ein Teilnehmer, dass er sein Handy verloren hat. Da das LVS-Gerät natürlich kein Metall orten kann, beginnt eine gemeinsame Suche. Als die Hoffnung bereits schwindet, findet ausgerechnet Irena das Handy tief im Schnee vergraben – ein Moment großer Erleichterung.
Einkehr im Berggasthof Piz Buin
Nach fast drei Stunden reiner Gehzeit erreichen wir gegen 13:30 Uhr den Berggasthof Piz Buin. Die Einkehr ist fix eingeplant und kommt genau zur richtigen Zeit. Gegessen werden unter anderem Kaspressknödelsuppe, Tiroler Gröstl, Kaiserschmarrn und Germknödel – kräftige Küche, die nach der Wanderung perfekt passt.
Rund eine Stunde bleiben wir hier, bevor es um etwa 14:45 Uhr wieder mit dem Bus zurück zur Bahn geht.
Rückfahrt ins Tal
Mit dem Tunnelbus und anschließend der Vermuntbahn geht es zurück ins Tal. Gegen 15:30 Uhr endet die Tour – körperlich fordernd, aber sehr eindrucksvoll. Die Schneeschuhwanderung zum Silvrettasee bleibt als intensives Wintererlebnis in Erinnerung, das ohne ortskundige Führung so nicht möglich gewesen wäre.
Weitere empfehlenswerte Touren gibt es übrigens für Gargellen und am Kristberg 🙂






















